Chorgemeinschaft 1919 Erftstadt-Gymnich e.V.

 

1. Vorsitzender
 Jörg Riesop
Brüsseler Str. 19
50171 Kerpen

Proben jeden Mittwoch
19.45  - 21.15 Uhr
Evang. Kirche, Moselstr. 24
 Erftstadt-Gymnich

 
       

 

Vereinsgeschichte der Chorgemeinschaft

I. Teil: Die Ersten 30Jahre von 1919 - 1949 (verfasst: Mai 2008, K.Engel )

Abschrift des Gründungsprotokolls vom 5.10.1919

Die Gründungsurkunde im Original -
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Schon viele Jahre vor o.g. Datum fühlten Gymnicher Männer, welche Sinn und Liebe zum Gesang hegten, das Bewusstsein, neben dem Pfarr- Caecilien- Verein einen Männergesangverein ins Leben zu rufen, der frei von jeder Bevormundung sich der Pflege des weltlichen Liedes sowie sonstiger theatralischer Aufführungen widmen könne.

An o.g. Datum ist das Bedürfnis in die Tat umgesetzt worden.

Es wurde von den sich zu diesem Zweck versammelten 25 Sängern ein Vorstand gewählt.

Als Gründer des Vereins sind anzugeben: (Es folgen die Namen der bei der Gründung anwesenden Männer)

 

Gymnich den 5.Okt.1919

Der Vorstand

Anton Schütz

Schriftführer

 

Gleichzeitig wurden die Statuten des Vereins verfasst und zur Genehmigung der Behörde übergeben.

 

Die Genehmigung zur Vereinsgründung folgte am 19.11.1919 durch die Behörde.

Der Name: Männer- Gesang-Verein Gymnich.

 

Seither ist dieser Verein eng verbunden mit der Geschichte des Ortes Gymnich.

Seit 39 Jahren ist Gymnich ein Stadtteil der Erftstadt.

 

„ In Freud und Leid zum Lied bereit „

 

So steht auf der alten Vereinsfahne geschrieben.

Das war die einfache Formel, die das Vereinsleben in der schweren, von Arbeitslosigkeit, Inflation und Wirtschaftskrise geprägten Nachkriegszeit, bestimmte.

Mit großer Tatkraft und Entschlossenheit gaben sich Vorstand und Chorleiter der Aufgabe hin, dem üblichen, eintönigen, dörflichen Leben neue Impulse zu geben.

Schon bald nach der Gründung zählte der Verein über 40 Sänger und man sah sich genötigt, eine Vereinsfahne in Auftrag zu geben. 1922 fand in Verbindung mit einem großen „Sängerfest", und der Anwesenheit aller Ortsvereine die feierliche Fahnen-Enthüllung und -Weihe statt. In einem großen Festzug durch die geschmückten Dorfstraßen wurde die Fahne präsentiert. Ein noch Größeres Sängerfest veranstaltete der Verein nur vier Jahre später.

„Vereine aus nah und fern trafen sich zu einer machtvollen Kundgebung für das deutsche Lied. Nie zuvor habe ich die Straßen Gymnichs in einem farbenprächtigeren Schmuck gesehen. In drei Sälen musste zur gleichen Zeit gesungen und gefeiert. werden". (So schreibt der Chronist)

Original Plakat aus dem Jahre 1922 zum vergrößern anklicken

Nach einer kurzen Integrationsphase des Vereins in den Ort schlugen ihm Wellen der Anerkennung und des Respekts entgegen. Presseberichte aus jener Zeit sind voll des Lobes.

Nicht nur mit Chorgesang wollte man sich- nach dem Willen der Gründer- der Bevölkerung darstellen. So bemühte man sich sehr bald darum, Frauen und Mädchen für das Bühnenspiel zu begeistern. Konzertprogramme der späten zwanziger Jahre geben Aufschluss darüber, daß die Bemühungen des Vorstandes erfolgreich waren. Das Vereinsleben pulsierte nun in seiner ganzen Breite. In vielerlei Hinsicht spiegelten sich die so genannten „ Goldenen zwanziger Jahre" im Leben des noch jungen Vereins wieder.

* * *

Vieles in der Berichterstattung aus jener Zeit deutet darauf hin, dass die Verantwortlichen des Vereins, die Vorzüge des Gemischt-Chor-Singens schon zu einem recht frühen Zeitpunkt erkannt hatten. Aber Frauen als Vereinsmitglieder? Das konnte man in der Öffentlichkeit noch nicht vertreten. Vereinsleben, das war noch weitgehend Männersache.

* * *

Die Situation änderte sich zu Beginn der dreißiger Jahre fast schlagartig. Die 1929 ausgebrochene Weltwirtschaftskrise verschonten weder den Verein als solchen, noch seine Mitglieder. Die Regierung des Deutschen Reiches versuchte durch drastischen Sozialabbau und mit anderen restriktiven Maßnahmen gegenzusteuern. Mit verheerenden Folgen. Viele Familien wurden in bittere Not gestürzt. Armut machte sich breit. (Fast 6,5 Mio. Arbeitslose) Das Volk ging auf die Straße…., es kommt, vor allem in den Städten, zu blutigen Auseinandersetzungen. Und im Verein? Die Mitgliederbeiträge blieben aus. Der Chorleiter wurde, wenn überhaupt, in kleinen Raten, entlohnt. An die Beschaffung von neuem Noten- und Theatermaterial konnte nicht gedacht werden, der Probenraum konnte nicht beheizt werden, u.s.w., u.s.w. Hilfe für die Armen, mit dem Wenigen, das zur Verfügung stand und gesammelt wurde, das war die oberste Maxime. Und die Sänger? Sie stemmten sich dem Geschehen mutig entgegen. Sie folgten den fortlaufenden Aufrufen der Vereinsführung zu Treue und Kameradschaft und schafften so das unausweichlich scheinende, das Vereinsleben zu erhalten. An dieser Stelle muss man den Namen des Vorsitzenden Wildenburg nennen, dem für seinen unerschütterlichen Einsatz, höchstes Lob und Anerkennung gezollt werden muss.

(Zu einem späteren Zeitpunkt (1935) wird er, u.a. hierfür, zum „Ehrenpräsidenten„ ernannt.)

Programm zum und Abrechnung zum
10-jährigen Jubiläum 1930
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* * *

Der Nährboden, auf dem radikales Gedankengut gedieh, war aufbereitet. Die Nationalsozialisten hatten relativ leichtes Spiel, ihr Programm zu verbreiten und mit Hilfe seiner SA (Sturmabteilung) auf der Straße durchzusetzen. Im April 1933 hatten sie ihr Ziel erreicht. Adolf Hitler „ergriff" unter großem Jubel die Macht. Der Volkszorn hatte seinen Rächer gefunden. Die Erste Handlung -„zur Behebung der Not vom Volk" - war die Außer Kraft Setzung der Reichsverfassung…. Erst nach Kriegsende 1945 wurde das ganze Ausmaß der Barbarei, das durch die "Nazis" begangen wurde, bekannt.

* * *

In den Vereinsprotokollen aus den Jahren 1933 bis 1935 wurde nun von Gleichschaltung (Maßnahmen und Gesetze zur Vereinheitlichung der Gesellschaft, des öffentlichen und privaten Lebens) geredet. Es konnte nun nicht mehr nach eigenen Bedürfnissen und Notwendigkeiten gestaltet werden. Es wurde bestimmt, eingesetzt, ausgeschlossen. Von den jüdischen Mitbürgern, mit denen zusammen man dem „Deutschen Lied gehuldigt" hatte, musste man sich für immer trennen. „ Auf Anordnung der Reichsregierung" so begann der eingesetzte Schriftführer sein Protokoll im Juli 1933 und läutete damit die „neue Vereinsgeschichte" ein.

Die Sängerschar war empört. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchte man gegen Willkürmaßnamen anzugehen. Wegen falscher Zeugnisse gegen den Vorsitzenden und seiner Amtsführung wurde man bei der örtlichen Leitung der NSDAP vorstellig, man beschwerte sich bei der Kreisleitung. Sogar die Gauleitung in Koblenz wurde kontaktiert. Mit dem zweifelhaften Erfolg einer kurzzeitigen Lageberuhigung.

Um sich spätere Vorwürfe der Nachlässigkeit und der Versäumnisse zu ersparen wendet sich der gesamte Vorstand in einer klaren, sachlichen und ausführlichen, schriftlichen Stellungnahme, zur Haltung der Kreisleitung und der Gauleiterung, an den Herrn Reichskanzler Adolf Hitler, als letzte Möglichkeit. (Protok. 28.6.34)

Antwort auf die Stellungsnahme am
08.081935 vom Amt für Chorwesen &
Volksmusik in Berlin 
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Eine Zurücknahme der getroffenen Anordnungen wurde jedoch aus politischen Erwägungen nicht vorgenommen. (Die Folgen der Beschwerdeführungen hätten, wie man heute weiß, verheerend sein können.)

Mitgliederliste aus dem Jahr 1935
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Das unerschütterliche Vertrauen der Sänger wollte man jedoch nicht aufs Spiel setzen. Die wohlüberlegte Entscheidung des Vorstandes, einem Sänger, einem „Parteigenossen", die Führung des Vereins zu übertragen, ließ ein wenig Ruhe in den Verein einkehren. Gespräche mit den Frauen der Laienspielgruppe wurden wieder aufgenommen. Sie wurden dadurch vereinfacht, dass die "Reichsmusikkammer" die Einbindung der Frauen in den Verein bestimmte, wollte man auf der weiteren Mitwirkung bestehen.

Man erfand ein „Frauen-Doppel-Quartett", dem sich sehr schnell weitere Frauen anschlossen. Die Gunst der Stunde erkennend kam es zur Gründung des „Damenchores", der ab dem 15. Sept. 1935 als Teil des Vereins geführt wurde. Die Statuten wurden der veränderten Situation angepasst. Besonders herausgestellt wurde ein Passus über das Verantwortungsgefühl des Vorstandes gegenüber den jungen Frauen und deren Eltern. Geprobt wurde zunächst getrennt. Aus Anlass einer ersten gemeinsamen Probe im September 1936 wurde eine Feierstunde in Szene gesetzt.

Plakat für das Herbstkonzert
1936 " .....mit Damenchor "
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* * *

Mit 37 Sängern und 28 Sängerinnen begann eine glückliche, aber leider nur kurze Epoche, die seinerzeit schon zur Gründung eines gemischte Chores hätte führe können. Aber schon ein knappes Jahr später hieß es: „Der Chorleiter wird Soldat". Nach und nach wurde ein beachtlicher Teil der Sänger, auch der Vereinsführer auf ihre Wehrtauglichkeit hin gemustert. Anschließend ging es zu mehrmonatigen Übungen. Jüngere wurden in den „Reichsarbeitsdienst" berufen. Auch Frauen wurden zum Dienst verpflichtet.

Unlust verbreitete sich unter den Mitgliedern. Für notorische Störenfriede ein reiches Betätigungsfeld. Die Lücken in der Sängerschar brachten Lücken in die Vereinskasse. In höchster Not reifte der Beschluss, den Verein für inaktive (fördernde) Mitglieder zu öffnen. Die „säumigen" Sänger wurden durch „ Abgeordnete" zu Hause aufgesucht um an Ihre Pflicht und Sängerehre zu appellieren. Die Angst, dass ein unlängst noch ansehnliches Gebilde in sich zusammenfällt, bemächtigte sich der Vereinsführung. Die Zeichen standen auf Sturm, auch in den politischen Wahrnehmungen. Wird es wieder zu einem Krieg kommen?

Im März 1939 schrieb der inzwischen rehabilitierte Vereinsführer Wildenburg: …alle meine wohlgemeinten Appelle an die Sänger und die Öffentlichkeit scheinen ergebnislos verpufft zu sein. Ich habe aber trotzdem nicht die Absicht, mich selber oder den Verein aufzugeben. Die Stunde ist noch nicht gekommen".

Unter Aufbietung aller Kräfte (man sieht sich gezwungen, die eigenen durch Kräfte des MGV Brüggen zu verstärken) brachte man zu Ostern ein Konzert auf die Beine. Der Vereinsführer resignierte angesichts des geringen öffentlichen Interesses. Gesundheitlich angeschlagen legte er „die Wahrnehmung aller meine Obliegenheiten in die Hände meines bisherigen Schriftführers H. Wallraff. Ich gehe nicht fort. So bedarf es keiner Worte der Scheidung. Man gönne mir die Ruhe, die ich, so will ich hoffen, mir verdient und teuer erkauft habe.

KRIEG!!!

Mit Ausbruch des Krieges am 1. Sept.1939 erlebte der Verein die tiefste Stunde seiner nun 20- jährigen Geschichte. Die Vereinstätigkeit kam von Beginn an fast ganz zum Erliegen. Der Chorleiter, der Vorsitzende und viele Sänger wurden zum Wehrdienst eingezogen. Weil man insgeheim nicht mit einer schnellen Wiederaufnahme der Vereinsarbeit rechnete, beschloss man, das in der Kasse vorhandene Geld unter die „Sänger-Soldaten" zu verteilen. Viele von ihnen wurden Opfer dieses unsinnigen Krieges und kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück. Sie ruhen in fremder Länder Erde. Unseren Frauen und Mädchen oblag die traurige Pflicht die Trauergottesdienste für die gefallenen Soldaten mit gesanglichen Darbietungen zu gestalten. Viele Sänger kamen mit Verletzungen, andere erst Jahre nach Kriegsende (8. Mai 1945) aus der Gefangenschaft, zu ihren Familien und ….. zu uns zurück.

* * *

Nach einem tiefen Durchatmen – das Bersten der Granaten und das Rattern der Panzerketten war noch in aller Ohren – hielt Ehrenpräsident Wildenburg Ausschau nach den Seinen. Genau vier Monate nach Kriegsende kam es zu einer ersten „Fühlungnahme" in seiner Wohnung, (es herrschte strenges Versammlungsverbot!) um über einen Neubeginn zu beraten. Anfangs erwog man einen Zusammenschluss mit den verbliebenen Sängern des Pfarr-Cäcilien-Chores. Man war bereit, dieser Überlegung positives abzugewinnen, zumal gegen Jahresende 1945 mit Walter Kempf* ein junger Organist und Chorleiter an St. Kunibert eingestellt wurde. Doch setzte sich letztendlich der Wille zur Eigenständigkeit- wie zur Gründungszeit- durch. In einer einberufenen Versammlung äußerten die Anwesenden ihren Willen, …die frühere Tätigkeit des M.G.V. in vollem Umfang wieder aufnehmen zu wollen und sind bereit, für diese Ziele und Möglichkeiten zur gehaltvollen Lebensfreude, die erforderlichen Opfer an Zeit, Mitteln und Einsatz in die Waagschale zu werfen".

Im Eilverfahren wurden, zur Vorlage bei der Militärregierung, Statuten entworfen, es wurde ein Vorstand gewählt, Verhandlungen mit *Walter Kempf zwecks Übernahme der Chorleitung geführt, Probenraum und Probenzeit vereinbart und benannt.

Am 19. August 1946 genehmigte die Militärregierung die Wiederaufnahme der Vereinsarbeit. Noch am gleichen Tag wurde Einigung mit Walter Kempf erzielt. Er übernahm die Chorleitertätigkeit bis zur „Stabilisierung" unter Verzicht auf Honorar. Gleichzeitig stellte er, aus seiner Sicht, die Vorzüge des Singens im Gemischten Chor heraus. Ehrenpräsident Wildenburg hatte damit einen kompetenten Mitstreiter gewonnen.

* * *

Das Chor- und Vereinsleben wurde nach einem aufgezwungenen, fast genau sieben Jahre währenden Stillstand, mit der ersten Probe am 24. August 1946, zu neuem Leben aufgerufen. Schon am 31. August fand die erste „Damenchor" Probe statt. Die Werbetrommel wurde gerührt. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen wurde großes Interesse, vor allem bei Jugendlichen, verzeichnet. Man sah sich genötigt, eine untere Altersgrenze von 16 Jahren festzusetzen. Es wurde beschlossen, dass Männer und Frauen einmal im Monat gemeinsam Proben. (16.Sept 1946) Die Geburtsstunde des Gemischtchores.

Zu Weihnachten traute man sich mit einem Konzert an die Öffentlichkeit. Mit unerwartetem Erfolg. Von dem finanziellen Erlös erhielt der Chorleiter ein kleines Entgelt, der große Restbetrag (ca. 800 RM) wurde „ hinsichtlich der Notlage des Volkes zu Gunsten der Orts- Armen an die Gemeinde-Wohlfahrts-Kasse abgeführt." Anfang des Jahres 1947 zählte der Chor 32 Sänger und 35 Sängerinnen.

Das Protokollbuch berichtet in der Folgezeit von zahlreichen Veranstaltungen die dazu beitrugen der hart arbeitenden Bevölkerung etwas Freude in den Nachkriegsalltag zu bringen.

Zum ersten Male 1947 wurde der heute noch in dieser Tradition stehende Familienabend veranstaltet.

Die Vereinsführung hatte aber auch ihre liebe Not mit inzwischen über 80, zum größten Teil jungen Mitgliedern zu Ende des Jahres 1947. Die Disziplin ließ zu Wünschen übrig. „Zur Gewährleistung eines geordneten Vereinswesens" wurden neue Regeln aufgestellt, einsichtig und aufgeschlossen genug, diese Tendenz als verspätete Nachwirkungen des Krieges zu erkennen. Dies muss wohl zur „Wiederbelebung der Sangesfreude" geführt haben, denn Ende 1948 berichtete der Schriftführer: ….das vornehmlich die jüngeren Sänger zur kräftigen Stützen des Vereins wurden.

Durch die Währungsreform vom Juni 1948 verfiel das gesamte Bar- und Kontoguthaben des Vereins. Zum wiederholten Male mittellos wandte sich der Vorstand voll Vertrauen an die Mitglieder „in schwierigster Stunde sich des Wertes ihrer Sendung bewusst zu werden und nicht zu zögern, ihre ganze Kraft zur Erhaltung des Kulturwerkes in die Waagschale zu werfen" Der Appell hatte an der kurzfristigen, finanziellen Genesung des Vereines großen Anteil.

* * *

Das Jahr 1949 rückte heran. Das Jahr in dem der Verein auf eine 30- jährige Geschichte zurückblicken konnte. Zwei unserer Sänger kehrten, vom Verein herzlich begrüßt, aus der Kriegsgefangenschaft heim. Als herausragendes Ereignis wurde im Herbst eine Operette aufgeführt.

Plakat aus dem Jahre 1949 zur
Operette "Florenzia, das Zirkusmädel"
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Beim Sängerfest in Kierdorf lernte man den Chorleiter Hans Esser aus Köln mit seinem Chor kennen. Fachleute bezeichneten ihn als strahlenden Stern am Dirigentenhimmel." Nicht ahnend, das wir in wenigen Jahren in der glücklichen Lage sein würden, unter seiner Leitung singen zu dürfen. Eine Feier aus Anlass des 30- jährigen Bestehen, wurde für 1950 geplant.

So hat der Verein seine 30- jährige Geschichte hinter sich gebracht. Vieles ist im Stande gewesen Zweifel an der Zukunft aufkommen zu lassen. Anderes konnte einen mit Trauer erfüllen und innerlich bewegen. Vorwiegend aber, so schrieb der Ehrenpräsident anlässlich der bevorstehenden Feier ins Protokoll: „….vorwiegend aber sind die Gefühle der Liebe und Dankbarkeit für alle, die mit heißem Herzen dem guten Werk dienten und für die Sängerideale stritten".

Wird fortgesetzt!

Fundstellen - und Quellenverzeichnis: 1.Protokollbuch vom 5.10.1919 - 27.4.1935

2.Protokollbuch vom 26.4.1935 - 12.11.1949

Spielergruppenbuch, eingerichtet 1935

Presseberichte, Konzertprogramme.

 

 

Vereinsgeschichte der Chorgemeinschaft

II. Teil:  1949 - 1979 

 

Das Augenmerk des Vorstandes richtete sich nun auf die für 1950 - also mit 1 jähriger 
Verspätung -  geplante Feier zum 30-jährigen Bestehen des Vereins. Die Nähe zur gerade
stattgefundenen Währungsreform ließ keine andere Wahl. Dem Frauenchor mit seinen vielen
jungen Mitgliedern wurde dabei eine wichtige Rolle zugedacht.

Mit der Aufführung  einer Operette im Herbst 1949, der Ersten nach dem Krieg,  präsentierte 
man sich der Öffentlichkeit als „Männergesangverein Gymnich mit Damenchor“. 
Man wollte damit dokumentieren: Ab jetzt geht’s gemeinsam. Die Aufführung war ein  großer
Erfolg. Es mussten zwei weitere folgen um dem Wunsch  der Bevölkerung Genüge zu tun.

Ermutigt ließ man Anfang 1950 die erste Karnevalssitzung über die Bühne gehen - mit ebenso
großem Zuspruch aus der Bevölkerung. Alter Tradition folgend fand das  „Maieinsingen“ wieder
statt. Tanzveranstaltungen zum Karneval und zur Kirmes feierten begeisternden und fröhlichen
Urstand und waren große Renner.

 Zur Operettenaufführung lassen wir hier den Chronisten sprechen. „Der Zustrom des Publikums  war so stark, dass der Kronensaal nicht alle fassen konnte. Dicht gedrängt saßen  und standen die Besucher und applaudierten den Darbietungen. Kein Wunder, dass davon auch die Spielerschar mitgerissen wurde und  zu immer besserer Leistung befähigte“.

* * *

Girlanden, von den  Sängerinnen geflochten  und von den jungen Sängern über die Straßen
gespannt, schmückten den Weg, den der Festzug  im August 1950 aus Anlass des 
30 jährigen Bestehens nahm. 65 Sängerinnen und Sänger des Vereins, 13 befreundete
Gastvereine und die Ortsvereine zogen mit klingendem Spiel durch den Ort.

„ Zwei Tage Gesang in Gymnich  - Huldigung für das deutsche Lied -  Voller Erfolg der Jubelfeier in  Gymnich - Ein Erlebnis wie man es selten findet -“ so  titelte die Tagespresse das Geschehen und der Chronist schrieb dazu u.a.: „ Nun ist  unser Sängerfest verrauscht. Der Verlauf, angefangen mit dem Festkonzert am Samstagabend, über Kirchgang, Gefallenenehrung, Festzug und Sängerkonzert am Sonntag und dem abschließenden gemütlichen Beisammensein  am Montag, war nicht nur erfolgreich, er sollte auch Kraft geben, noch Größeres und Schöneres zu leisten.“

* * *                                                                         

Klang da etwas nach? War man in gewisser Hinsicht doch unzufrieden?

Finanziell gesehen kam man „soeben über die Runden“. Zur Generalversammlung 1950 erging 
ein heftiger Sparappell an die Verantwortlichen. Ebenfalls wurden Klagen laut darüber, dass 
der erhoffte Zuspruch neuer, engagierter Sängerinnen und Sänger völlig ausgeblieben war. 
Man suchte nach einer Handhabe „gegen den völlig unzulänglichen Probenernst der Sänger beiderlei Geschlechts“.  Es wurde bemängelt, dass freudige Impulse fehlen würden, wenn es 
gelte für den Verein bereit zu stehen.

Wie war das in Einklang zu bringen mit  den eigentlich positiven Aussagen über die kurz 
vorher stattgefundene Jubiläumsfeier oder auch über die der Operettenaufführung?

* * *                                                    

Bis zu diesem geschichtlichen Zeitpunkt war einzig das geschriebene bzw. gedruckte Wort
der Vereinschronik die Grundlage für die hier nieder geschriebene Kurzfassung der
Vereinsgeschichte. Nun ist es dem Verfasser erlaubt auch aus eigener Sicht über die
Geschehnisse zu berichten.      (Mitglied seit 1948 wurde ich 1950 in den Vorstand gewählt,
dem ich - mit kurzzeitiger Unterbrechung- bis heute angehöre.) 

 * * *                                                                              

In den ersten Nachkriegsjahren wurde der Verein von Männern „geführt“, die der Gründer-
generation zuzurechnen waren; voller Tatendrang, diszipliniert, beseelt vom Gedanken
„edeldeutsches Kulturgut - das deutsche Lied- in eine leuchtende Zukunft zu führen und der
Heimat zu erhalten“ . Die Moral gebot es nichts von diesem Gedankengut  preiszugeben, und
man hoffte alles das in kurzer Zeit  entfesseln zu können, zu müssen, was - durch die
beschriebenen Ereignisse der dreißiger Jahre und der ersten Hälfte der vierziger Jahre -
unlösbar eingeschnürt gewesen war und das mit Hilfe der Jugend.  „Du deutsche Jugend am deutschen Rhein bau auf, was das Schicksal zerschlagen “.
Die Jugend wurde zum Garanten für die Zukunft des Vereins hochstilisiert. 

„Mögen diese Worte tief in die Herzen der jungen Sänger dringen, auf das sie nie vergessen mögen, dass in ihren Händen ruht die Zukunft edelsten deutschen Kulturgutes und das dessen Hege und Pflege nie in uns sterben lässt die Liebe zur Heimat, die um so größer sein muss, als diese sich in hartem Ringen müht das Leid und Weh der vergangenen Jahre vergessen zu lassen und zu überbrücken.“

So lautete der Schlussabsatz des Jahresberichtes 1949, der die Sängerinnen und Sänger in
das  „Jubiläumsjahr“ 1950 entließ.

Das aber wurde von dieser Jugend so nicht verstanden und nach all dem Erlebten in frühester
Jugend mit seinen Zwängen, Ängsten, Entbehrungen fehlte es an innerer Bereitschaft sich
erneut disziplinieren zu lassen.

Den Meisten der jungen Sängerinnen und Sänger war gar nicht bewusst bzw. es wurde ihnen
so  auch in der Folge nicht verdeutlicht, dass der Verein Anspruch darauf erhob der Kultur-
träger im Ort zu sein und gewillt war diesen Anspruch auch weiterhin zu erheben, wobei ihr,
der Jugend, eine übergeordnete Rolle zugedacht war.  Was war das eigentlich, Kulturträger,
edelstes deutsches Kulturgut?

* * *                                                                    

Mit der Währungsreform hatte die lange Zeit der Entbehrung ein Ende gefunden. Die allgemeine
Lage der Bevölkerung hatte sich unvorstellbar rasch gebessert. Die Lebensqualität war stetig
angestiegen und in Folge dessen die Interessenlagen auch von so manchem Sänger und
mancher Sängerin. Die Akzente hatten sich verschoben. Der Spaßfaktor spielte bei der
Überlegung zur aktiven Mitarbeit nunmehr eine wesentliche Rolle.

Der Vorstand hatte die jungen Leute freudig, mit offenen Armen und bedenkenlos aufgenommen
Und nun fand man sich in einer Realität  wieder  die sich  ganz anders darstellte als die, die
anfängliche Lobeshymnen in den Köpfen ausgelöst hatte.

Die Aktivitäten des Vereins bis in die Mitte der 50er Jahre waren sehr zahlreich, so dass es
schwer fällt an ein Auseinanderdriften der Generationen Interessen zu glauben.
Der  demonstrierte „Geist“ aber war jedoch das Ergebnis permanenter Auseinandersetzungen
von wenigen Idealisten – wenn man so will  auch Enthusiasten -  mit dem „ jungen  Chorvolk“,
das nun eigene, andere Wege zu gehen für sich beanspruchte. Das Wort Spaßgesellschaft
machte die Runde. Was hatte man dem entgegen zu setzen?

So  etwa sind die Vorgänge zu verstehen,  die den Geschichtsschreiber des Vereines
veranlassten mit so markigen Worten die Jugend zu beschwören.( Mit Bekundungen des
Respekts und der Dankbarkeit wurde Heinrich Wallraf verabschiedet,  als er zuende des Jahres
1952 das Amt des Schriftführers niederlegte, das er fast 20 Jahre lang bekleidet hatte.
Ausführlich,  beispielgebend und  leidenschaftlich schrieb er im wahrsten Sinne Geschichte.)

 * * *                                                                        

Man war schon erprobt darin in kritischen Tagen nach dem Ehrenpräsidenten zu rufen.
(Er hatte ja, wie wir wissen, sein kommissarisch übernommenes Vorsitzendenamt aus
Gründen der Gesundheit in die Hände des Schriftführers gelegt.)

Aufgrund eines von ihm in Verbindung mit dem Chorleiter aufgestellten Fragenkataloges kam
er im Frühjahr 1955 zu dem Ergebnis, dass nur eine grundlegende „Neuordnung“ Aussicht
darauf hätte, den „ Zeit bedingten  Auswüchsen wie übermodernen Entwicklungen und
Fehlleitungen durch Einströmungen anderer Werte -und Genussmaßstäbe dem Fortschritt
unserer Tage entgegen wirken zu können“.
 

Der ganze „Spaß“ müsse ein kalkulierbares Ende haben; das war die Quintessenz seiner
Überlegungen. Er konnte sich erlauben das auszusprechen, was bisher niemand zu äußern
wagte, das eine ganze Reihe von Punkten, die zur Führung des Vereins bis vor kurzem noch
gut und richtig schienen oder auch waren, „ihrer Bedeutung vollkommen entkleidet,
gegenstandslos und unzeitgemäß seien“.

Der Verein ließ sich überzeugen, dass ein eingesetzter, arbeitswilliger, charaktervoller Vorstand
unter seinem neuerlichen Vorsitz
die wohl beste Möglichkeit der Sanierung bieten würde.

Ein 7-Punkte Programm unter dem Fundamentalsatz: „Die Summe von Charakter, Treue,
Opferbereitschaft des Sängers,  des Vorstandes - also des Gesamtvereins - ist entscheidend für
das Ansehen, die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit des Vereins“.
 

Zukunftsweisend ? „ Kalter Kaffee“ ?
Man wird sehen.
 

Die Satzung wurde überarbeitet und regelte nun die Aufnahmekriterien, das Beitrags- und
Spendenwesen, den Probenablauf und die Gestaltung  von internen Veranstaltungen, die
Anschaffung zeitgemäßer Chorliteratur, das Stimmrecht des Chorleiters, das Proben in einem
neutralen Raum
(ohne Bindung an eine Gaststätte), die Schweigepflicht der Vorstandsmitglieder

Wichtig schien in dem Zusammenhang auch die Anschaffung eines eigenen Klaviers zu sein.

Verständlich, dass der Anklang unter den Mitgliedern nicht überwältigend war, aber um der
Sache Willen von den Meisten akzeptiert wurde; viele, denen a priori der Gedanke vom
Spaß an der Freude oberste Zielsetzung war, blieben nach und nach fern.

Mit weniger Mitgliedern, in einem neutralen Probenraum (der Anbau zwischen der Missions-
kapelle und dem Vikariat auf dem Kirchplatz), unter straffer Vereinsführung mit konsequenter
Befolgung der neuen Regeln, begann ein zielstrebiges, ungestörtes Arbeiten, bei der auch das
gemeinsame fröhliche Feiern einen Stellenwert hatte.
Die Presse berichtete im März 1956 unter dem Titel „ Ein hoffnungsvoller Neubeginn“ von einem
großen Chorkonzert des MGV Gymnich mit Gemischtem Chor vor einem äußerst
aufmerksamen, dankbaren und teilweise sehr prominenten Publikum im Burgtheatersaal  
(früherer Kinosaal in der Klosterstraße, jetzt Pfarrer-Kaiser-Straße). Die Anwesenheit vieler
Vorstände von Brudervereinen aus den Nachbargemeinden bekundete ein reges Interesse an der
Wiedergenesung des Vereins.
Sie mag aber auch Hinweis dafür sein, wie weit sich der Verein
von seinem Normalzustand entfernt gehabt haben musste.

Die Lage wurde in kurzen Zeitabschnitten überprüft und durch Rechenschaftsberichte des
Vorsitzenden untermauert. Auch in dieser schwierigen Zeit war sein Einsatz in jeder Hinsicht
vorbildlich und unglaublich aufreibend.

Man trat in den kürzlich gegründeten Kreissängerbund Euskirchen ein. 47 Sängerinnen und
Sänger  des Vereins nahmen 1956 am 1.Kreissängerfest in Münstereifel teil.

Die uneigennützige Unterstützung aller Vorhaben durch Chorleiter W. Kempf waren wichtige
Voraussetzungen dafür, dass der „Wiederaufbau“ relativ störungsfrei verlief.

Für seine Verdienste auf musikalischem Sektor wurde er 1956 zum Musikdirektor ernannt.
Er leitete nun den Chor 10 Jahre.

Mit sehr positiv bewerteten Konzerten  wartete der Chor in den folgenden Jahren auf, obwohl
wegen des unregelmäßigen Probenbesuches der Damen die Konzertauführungen mitunter
sogar in Frage standen. Zu Beginn des Geschäftsjahres 1958 hatte der Verein 53 aktive
Mitglieder, davon nur 23 Damen. 80 inaktive Mitglieder förderten mit ihren finanziellen
Beiträgen die Belange des Vereins. 

 * * *                                                                               

Das Boot,  MGV Gymnich mit Gemischtem Chor, lag nun in einem vermeintlich sicheren
Hafen.

Die Mitglieder drängten den Vorstand bald möglichst wieder in das alte Probelokal in der
Gaststätte Buschwald umzuziehen (der genutzte Raum war sehr steril und man vermisste
es nun sehr sich nach der Probe in gemütlicher Runde bei einem Glas Wein oder Bier
zusammensetzen zu können).

Der als Vorsitzender amtierende Ehrenpräsident Wildenburg hatte die dringende Bitte an den
Vorstand gerichtet ihn baldmöglichst wieder von seinem Amt zu entbinden.  Sicher spürte er
auch, dass ihm die Kraft fehlte, dem permanenten Stress, dem er schon einmal Tribut zollen
musste, zu widerstehen. Mit herzlichen Worten des Dankes wurde er verabschiedet

So galt ab dem Jahr 1958 wieder die alte Präsidialstruktur, in der der Präsident - es war seit
1947 Willy Schütz - in Personalunion den Vorsitz innehatte. (Band 2, S. 421. Er wurde zum
Präsidenten gewählt, zuweilen auch mit dem Titel Vorsitzender beschrieben.) 

 * * *                                                                             

Der Vorstand wurde umstrukturiert, wichtige Ämter neu besetzt (nach knapp zwei Jahren des
eingeleiteten „Neuanfangs“).
Der Ehrenpräsident und die von ihm berufenen drei Ehrenvor-
stände wurden nur noch von Fall zu Fall beratend in die Vorstandsarbeit eingebunden.
Entscheidungen fielen nun in vielen Fällen freudiger, schneller,  nachdrücklicher.

Dem leidigen Thema ersten Ranges, dem Probenbesuch der Damen, wurde mit einem
Ultimatum begegnet. Entweder der Chorleiter könne von regelmäßigen und pünktlichen
Probenbesuchen  von mindesten 20 Damen berichten oder aber es müsse nach fast
25 Jahren der Zugehörigkeit ein - wenn auch schmerzlicher - Schlussstrich gezogen werden.

Die Damen aber gaben im Gegenzug zur Kenntnis, dass sie sich vernachlässigt fühlten:
öffentliche Auftritte würden bei weitem durch den Männerchor wahrgenommen, Chorkonzerte
wären vom Männerchor dominiert, es fehle an guter Gemischtchor-Literatur, bei nur einer
gemeinsame Probe im
Monat könne kein Gefühl der Dazugehörigkeit aufkommen, die
Damen hätten keine offizielle Stimme im Vorstand.

Nach dieser Anhörung wurde von erfreulichen Fortschritten berichtet. Das Gefühl zusammen
zu gehören und nur zusammen etwas erreichen zu können nahm einen neuen Platz ein.
Trotz alledem hätten die Jahre 1958-1959  jedoch auch wieder einmal zu Schicksalsjahren
des Vereines werden können; denn der Tod riss innerhalb eines Jahres Lücken in den Verein,
die sonst kaum zu verkraften gewesen wären.

Im August 1958 verstarb Heinrich Wallraff, der die Geschichte des Vereins bis 1952 so trefflich
niederschrieb und immer noch als „graue Eminenz“ an den Fäden gezogen hatte.

Im November 1958 schied der Ehrenpräsident Willi Wildenburg auf dem Heimweg aus der
Chorprobe aus dem Leben, der „Retter des Vereins aus allen Nöten“, dessen Agieren auch
nach seinem „Rücktritt“  nie aufgehört hatte.

 * * *   

Es war das Ende des „presidential government“ als zu allem Übel im Mai 1959 der beliebte
und verehrte Präsident Wilhelm Schütz verstarb. Ein Verein ohne Führung!

Nun musste die jüngere Generation antreten - mit allen Konsequenzen. Die immerzu bequemen
Hilferufe konnten nicht mehr erhört werden. War nun die Grundlage für einen machtvollen Stil-
Wechsel aus der Not geboren?

* * *                                                                        

Im August 1959 wurde Franz Buschwald in einer außerordentlichen Generalversammlung
zum 1. Vorsitzenden gewählt. Noch im gleichen Jahr wurde aus Anlass des 40 jährigen
Bestehens des Vereins ein Konzert veranstaltet; zum ersten Male mit Begleitung eines kleinen
Orchesters  (Erftland- Orchester) – und unter dankenswerter, erfreulicher Mitwirkung einiger
Sänger des Pfarr- Cäcilien- Chores.

Der neu zusammengesetzte Vorstand versuchte mit kleinen Änderungen und Neuerungen
(auch der Probentag wurde verlegt) das Geschehen in die Hand zu bekommen.
Die Bereitschaft einzelner Mitglieder des Kirchenchores zur Mitwirkung hatte die Hoffnung
geschürt, dass nun der Zeitpunkt gekommen sein könnte, wo  beide Chöre aufeinander
zugehen sollten. (Der Kirchenchor - ein reiner Männerchor- hatte große Nachwuchssorgen).
Mit Unterstützung des Pfarrers wurde das Thema angegangen, scheiterte jedoch an einer
uneinsichtigen Haltung der Verhandlungspartner. Die Auseinandersetzungen, die sich bis Mitte
1963 hinzogen, beeinflussten auch die eigene Vereinsarbeit. Alle weiteren Bemühungen
erstickten 1964 mit der Einführung eines neuen Pfarrers an St. Kunibert im Keime. 

Der Vorstand streckte nun- zur Verbesserung der eigenen Lage- die Fühler aus in Richtung
MGV Brüggen um an frühere Kontakte wieder anzuknüpfen. Im Januar 1965 fand unter der
Mitwirkung einiger Sänger aus Brüggen ein gut besuchtes Vokalkonzert statt.

Anfang März 1965 teilte Chorleiter Walter Kempf - zur Überraschung Aller - mit, dass er
seine Anstellung an der Pfarre St. Kunibert gekündigt habe und er Gymnich verlassen werde.

Er ermutigte den Vorstand, das Gespräch mit Chorleiter Hans Esser zu suchen. ( siehe Teil I/4 )
(Dieser hatte neben dem Werkschor der Rhein-Braun AG auch die Leitung des MGV Brüggen,
seines Geburtsortes, übernommen. Ferner leitete er den MGV Rheidt/Sieg, den Chor der
Verwaltung der Rhein-Braun, den MGV Polyhymnia, den Chor an St. Bonifatius, und den
A-cappella- Chor Nippes - letztere alle in Köln.)

Hans Esser, Chorleiter in Gymnich? Wer wagte daran zu glauben? Alleine die Tatsache,
dass  Esser zu einem Gespräch bereit war, ließ die Herzen der „Vorständler“ höher schlagen.
Gut vorbereitet ging man ins Gespräch.  Niemand hatte in der Tat damit gerechnet, dass
dieses erste Gespräch bereits die Entscheidung bringen würde: Hans Esser übernimmt den
MGV Gymnich mit Gemischtem Chor.
In einer kleinen Feierstunde am 17.3.1965 - also nach
fast 20 Jahren - wurde Walter Kempf mit großem Beifall für seine langjährige, aufopferungsvolle
und uneigennützige  Arbeit im Dienste des MGV verabschiedet.

Wie intensiv der Wechsel durch den Vorstand vorbereitet worden war beweist die Tatsache, 
dass bereits am 24.3. 1965 die erste Chorprobe-
in spannender Erwartung- mit Herrn Esser 
stattfand.  

* * *                                                                        

Esser zog die Sängerinnen und Sänger, die erstmals nach langer Zeit wieder fast vollständig 
zu den Proben erschienen, mit seinem großen Können und seiner humorvollen Art in seinen
Bann.                                                            

Sehr schnell hatte er die Möglichkeiten erkannt, die, mit den meist jungen Chormitgliedern, 
deren Stimmqualitäten und deren Willen etwas leisten zu wollen gegeben waren. Nicht, dass  
die einfache, leichte Chorkomposition keine Chance gehabt hätte, nun lag der Schwerpunkt 
der Tätigkeit  auf Qualität und Klasse. Komponisten wie Brahms, Bartholdy, Bruckner, Haydn,
Händel, Mozart, Schumann, Schubert oder alte Meister wie Haßler, Isaak, Gastoldi und wie 
sie alle heißen mögen, beherrschten die wöchentlichen Proben. Die Konzertaufführungen,
zunächst - in Ermangelung entsprechender finanzieller Mittel - in bescheidenem Rahmen,
erfreuten sich
einer großen Zuhörerschaft. (Aufführungsorte waren das Zentrum der 
Grundschule, die Sporthalle, das Schützenhaus.)
 

Ende der 50er Jahre hatte der Schlossherr, Graf Rudi de Maistre, dem Verein einen  
Konzertflügel geschenkt, - leider in einem nicht mehr würdigen, kaum bespielbaren Zustand
Durch  Essers Beziehungen konnte das Instrument mit geringem Kostenaufwand hergerichtet
werden,   so dass er uns fortan am Flügel begleiten konnte - er war ein begnadeter Pianist, 
der Verein war stolz auf einen eigenen Flügel-.

* * *                                                                       

Zwischen dem Vereinsvorstand unter dem Vorsitz von Franz Buschwald und dem Chorleiter 
Hans Esser hatte sich bald ein ausgesprochen gutes Verhältnis entwickelt. Diese Harmonie
übertrug sich zunehmend auf die Vereinsmitglieder, auch untereinander.

In dieser Atmosphäre ging  der Vorstand die Vorbereitungen zur Feier des 50 jährigen
Vereinsbestehens an.

* * *                                                                     

Für Chorleiter Esser stand wie selbstverständlich ein kirchenmusikalisches Festkonzert  ganz
oben auf der Agenda. Ein „weltliches“ Konzert unter der Mitwirkung der “ESSER-CHÖRE“, zu
denen zwischenzeitlich gute Beziehungen aufgebaut waren, sowie ein Weihnachtskonzert mit
Beteiligung des Kölner Kinderchores sollten das Programm runden. Als großer Höhepunkt 
sollte eine Reise in die „Ewige Stadt“ - zusammen mit dem Kirchenchor  St. Bonifatius  
Köln- stattfinden.

Eine beachtliche Aufgabe auf die sich der Vorstand einzustellen hatte, die aber, gestützt auf
einen unglaublichen Enthusiasmus der Sängerinnen und Sänger, freudig und energisch 
angepackt wurde.

Schwierigkeiten unvorhergesehener Art gab es durch die durch nichts als durch sein Hausrecht
zu rechtfertigende Weigerung des Pfarrers von St. Kunibert, „seine“ Kirche einem weltlichen
Verein, -sprich Chor- zu Konzertzwecken zur Verfügung zu stellen. obwohl bekannt war, das 
rein geistliche Musik von W.A. Mozart zur Aufführung gelangen sollte.

Dahinter standen, wie sich sehr zeitig herauskristallisiert hatte, einige wenige  Personen des
Kirchenchores, die mit aller Vehemenz das
Anrecht“  des Kirchenchores vertraten, einzig und
alleine  für  musikalische Aufführungen in der Kirche zuständig zu sein.
(Unausgesprochen 
blieb jedoch der
Neid auf einen prosperierenden Chor.)

Wiederholte Einladungen seitens des Vorsitzenden zu Sondierungsgesprächen mit dem 
Vorstand des Kirchenchores wurden von dieser Seite einfach  ignoriert.

Fast zwei Jahre waren vergangen bis der Gegenseite die Argumente ausgingen. Buchstäblich 
in letzter Minute - im Jan. 1969- wurde die Genehmigung unter eben noch akzeptablen 
Auflagen erteilt. Zwischen den beiden Chören jedoch war das Tuch ein langes Stück 
eingerissen.

Im Übrigen wurde das Jubiläumsjahr nicht nur bezüglich des Ablaufes akribisch geplant und
vorbereitet. 18 Monate verbrachte Esser damit, die 54 Sängerinnen und Sänger mit der bis 
dato unbekannten Chorliteratur vertraut zu machen.                           

* * * 

Am 27. April 1969 fand dann das Festkonzert in der voll besetzten St. Kunibert Kirche statt.
Zum ersten Mal sang der Chor in Begleitung eines „ Profi- Orchesters“. Zur Aufführung
gelangten W.A. Mozart`s „ Krönungsmesse“ und die „Vesperae solennes de confessore“.

Der Applaus des Publikums nach dem Schlussakkord war sicher das Zeichen für eine
außergewöhnliche Leistung. Er brachte  aber auch - von besagter Stelle- unverständliche
Vorwürfe ein, weil nicht kirchenwürdig.  Die Kritiken der Presse und die von kompetenten
Besuchern waren jedenfalls voll des Lobes.

Am 11. Juli fand, wie geplant und bis heute all denen unvergessen, die daran teilnahmen, 
die Reise nach Rom statt. Die Papstaudienz (Papst Paul der VI.) in Castelgandolfo, die
Gottesdienstgestaltung im Petersdom und in Ara Coeli, das Singen in St. Paul, Santa Maria
Maggiore und im Pantheon sind ebenso dokumentiert wie der Besuch der vatikanischen
Museen und die Ausflüge in die nahe gelegenen Sabinerberge, nach Tivoli mit den pracht-
vollen Gärten und „zur Erholung“ eine Badefahrt an die Mittelmeerküste nach Ostia und 
Anzio. Hier, in Anzio aber, setzte ein tragischer Akzent allen frohen Erlebnissen ein Ende:
beim Baden wurde Sangesfreund Erich Wildenburg von einem jähen Tod ereilt. 
(
Die Erinnerung an die für den Verstorbenen zelebrierte Totenmesse in der Domitilla-
Katakombe an der Via Appia lässt mich heute noch schaudern.) Auf
der Rückreise wurden- 
zur Entspannung- noch zwei Tage in den Dolomiten verbracht. Wieder zu Hause trugen wir
unseren lieben Verstorbenen zu seiner letzten Ruhestätte.

Beide Chöre waren  sich darin einig, dass das Erlebte die Teilnehmer zu einer echten
Gemeinschaft zusammen wachsen ließ ,das noch manch spürbaren Ausdruck finden würde.

Am 18. Oktober fand der eigentliche Festakt statt, bei dem die Vertreter der Kommune, der
Ortsvereine, des Sängerbundes und der beteiligten Chöre dem Verein ihre Glückwünsche
aussprachen.
„Es war ein großer Tag für den Gymnicher Chor“ schrieb die Presse. (Der
damalige Rektor der Grundschule, Alois
Orthen, hatte die Schirmherrschaft übernommen. 
Graf Rudi de Maistre, seit 1936 Protektor des Vereins, war Ende 1968 unerwartet verstorben
und unter Teilnahme des Vereins in der Gruft im Schlosspark beigesetzt worden.)

Über das anschließende Chorkonzert schrieb die Presse: „ Wir haben lange im Kreis
Euskirchen keine solche Demonstration für den gepflegten Chorgesang erlebt wie aus 
Anlass des 50 jährigen  Bestehens des MGV mit Gemischtchor Gymnich“.

Am 7. Dezember war das Schützenhaus  für das Weihnachtskonzert u.a. mit dem Kölner
Kinder Chor in weihnachtlichem Schmuck gehüllt. Ein zahlreiches Publikum applaudierte 
den Darbietungen der Mitwirkenden ,die sich mit einem mächtigen „ Singt dem Herrn ein 
neues Lied“ als Ausklang  für das Konzert und für das Jubiläumsjahr verabschiedeten.

* * *  

Der Verein, Vorstand, Chorleiter, Sängerinnen und Sänger standen nun in strahlendem
Licht“.

Das Erreichte, begonnen mit den gemeisterten Schwierigkeiten in der Vorbereitungsphase, 
die perfekt ausgearbeiteten Veranstaltungen, die Chorreise, die gemeinsame Trauer um 
den  plötzlichen Tod eines lieben Sangesbruders, das aufmerksame Interesse der
Öffentlichkeit, die Auswahl und Qualität unserer Darbietungen, die positive Ausstrahlung
unseres Chorleiters: das Alles fand seinen Niederschlag im Leistungswillen, in der
Belastbarkeit, im „Wir - Gefühl“ und nicht zuletzt im fröhlichen, gemeinsamen Feiern.  Die
Mitglieder waren euphorisch gestimmt.

Esser führte den Chor fortan an die Kompositionen der alten Meister, der Romantiker und
Klassiker bis hin zur Moderne heran. Die Leistungsstärke glich bald dem seiner anderen
Chöre, sodass ab und an ein gemeinsames Musizieren möglich war.

In der Jahreshauptversammlung im März 1970 wurde der Versammlung mitgeteilt, dass 
der Kirchenchor nicht mehr existent sei. Großes Erstaunen! Schadenfreude? Nein! Noch 
vor kurzem hatte der Vorstand angesichts der unüberhör- und unübersehbaren Schwierig-
keiten versucht, zu einem Gespräch zu kommen. Vergebens. Mit der Einführung eines 
neuen Pfarrers (Jan Kayers) an St. Kunibert  kurze Zeit später änderte sich sehr schnell  
das Verhältnis zwischen  Kirche und Chorgemeinschaft. Fortan war der Chor des Öfteren- 
bei besonderen Anlässen- in der Kirche zu hören. Pfarrer Kayers öffnete der 
Chorgemeinschaft die Pforten seiner schönen Kirche zum Konzertieren.

Auch innerhalb der zivilen Gemeinde war und blieb der Verein sehr aktiv. Wann immer es
gewünscht wurde stellte sich der Chor in den Dienst der Öffentlichkeit. Hier muss unbedingt
unsere Sängerin und Vize-Chorleiterin Kläre Schmitz lobende Erwähnung finden.

Regelmäßig- ab 1971- nahm der Verein in großer, bunter Besetzung am Gymnicher
Karnevalszug teil.  

In der Jahreshauptversammlung 1973 wurde beschlossen eine „zeitgemäße“ Vereinssatzung
zu erarbeiten. Sie sollte, auf dringende Bitte von Esser, auch eine Namensänderung des
Vereins beinhalten.

1974- im Juli-  wurde ein notariell abgestimmter Vertragsentwurf - einer besonders 
einberufenen Mitgliederversammlung- zur Aussprache vorgelegt. Die einstimmige 
Zustimmung- zu der von unserem Sänger H. Pickartz formulierten Fassung- erfolgte  
bei der Jahreshauptversammlung im Dez. 1974.

Von nun an trägt der Verein den Namen: Chorgemeinschaft 1919 Gymnich e.V., der 
später- nach dem kommunalen  Zusammenschluss zur Erftstadt- umbenannt wurde in

                     Chorgemeinschaft 1919 Erftstadt – Gymnich e.V.

Die Satzung ist heute noch gültig. Zum ersten Mal wurde einheitliche Chorkleidung zu
speziellen Anlässen für alle Sängerinnen und Sänger festgeschrieben.

Im Zuge der kommunalen Neuordnung wurde Erftstadt, bisher dem Kreis Euskirchen
angehörend, dem Erftkreis Bergheim zugeordnet. In der Folge trat der Verein 1976 dem
Erft-Sängerkreis Bergheim bei.

Die fast traditionellen jährlichen Vereinsausflüge verloren nach und nach an Zugkraft.

So kam dem Vorstand ein Vorschlag des Sängers J. Klein, der sich weit draußen in der
Gemarkung als Bauer angesiedelt  hatte, gelegen,  an Stelle dessen  auf seinem Anwesen 
ein Sommerfest zu veranstalten. "Am Spätnachmittag des 26. Juni 1976", so schreibt der
Chronist u.a., "fand das Sommerfest auf dem „ Fülleshof“  von J. Klein statt. Zu Fuß oder
per Fahrrad ging es bei strahlendem Wetter, an der Gymnicher Mühle vorbei Richtung Hof
.
Dort wurden wir mit leckerem Kölsch empfangen. Einfach toll. Es ging direkt hoch her! Zum
Essen gab es Spanferkel und Serbische Bohnensuppe in Mengen. Die Stimmung wurde
durch gemeinsames Singen, Musik und Tanz noch toller, so dass später kreuz und quer
um den Hof marschiert und getanzt wurde. Der Tag begann zu grauen als die Letzten sich
auf den „ beschwerlichen“ Nachhauseweg machten.

Das war die Geburtsstunde einer Chorveranstaltung - aus “Sommerfest“ wurde später
“Scheunenfest“-
über viele Jahre - bis 1997- wie sie nachhaltiger für die Chorgemeinschaft 
nicht hätte sein  können: voll Schwung, Temperament, mit dem „Scharm“ eines Bauernhofes,
beliebt bei Alt und Jung, viel und gerne besucht von prominenten Gästen, und kostendeckend.
Der Familie Klein sei Dank!

* * *

Immer öfter befasste sich der Vorstand nun mit dem näher rückenden 60. Geburtstag des
Vereins  im Jahre 1979. Es wurde kein Konsens darüber gefunden, ob man aus finanzieller
Sicht  eine risikoreiche Veranstaltung- wie z.B. ein vom Chorleiter zur Diskussion gestelltes
Konzert mit Orchesterbegleitung- einplanen könne. Vor Allen hatte der Vereinskassierer
zunächst große Einwände.

Der Vorstand konnte sich jedoch auch später hin nicht gegen die unbeugsame  Haltung des
Kassierers durchsetzen, auch nicht, nachdem man ihm Mangel an Risiko vorgehalten hatte.

( Jos. Türnich wurde dieses Amt bereits 1950, ein Jahr nach seiner späten Heimkehr aus
sowjetischer Kriegsgefangenschaft übertragen.)

* * *

Ein weiteres Thema wurde zum bevorzugten Diskussionsstoff: die Frage, ob sich der Verein
um die Besetzung des Protektorates ernsthaft bemühen soll. Nach dem Tode von Graf Rudi 
de Maistre  Ende 1968 war der anfängliche Versuch eine geeignete Persönlichkeit zu finden
erfolglos geblieben.

Im Vorstand besann man sich des in Düsseldorf wohnenden  Adolf Schweins, Sohn des
früheren Bürgermeisters und Ehrenmitglied des Vereins Josef Schweins.

Die ersten Kontakte Ende 1978 verliefen hoffnungsvoll. Vom Beginn der Informationsgespräche
zeigte sich Herr Schweins, der einen Direktorenposten einer großen Versicherung inne hatte
und seine  Verbundenheit zur Heimat  herausstellte, sehr interessiert und aufgeschlossen. Im
Mai 1979 konnte der Vorsitzende die hocherfreuliche Mitteilung machen, dass Herr Schweins
die Schirmherrschaft über den Verein angenommen  habe. Ausbedungen hatte er sich die
zeitnahe und fortlaufende Unterrichtung über das gesamte Chorgeschehen.

Seine Gesprächsandeutungen setzte Herr Schweins sehr zum Wohle des Vereins in die Tat
um. Er besuchte den Chor oft und gerne - soweit sein Terminplan dies zuließ. Er ließ es sich
auch nicht nehmen kritische und mahnende Worte an den Verein zu richten, wenn dies seiner
Meinung entsprach. Von Seiten der Sängerinnen und Sänger wurde ihm große Sympathie und 
Herzlichkeit entgegen- gebracht: ein PROTEKTOR in jeder Hinsicht!

Im Sommer 1978 nahm der Chor an einem Wertungssingen teil. Dem Chor und seinem
Dirigenten wurden Komplimente für seine hervorragende Leistung zu teil.

* * *

Im Geburtstagsjahr 1979 hatte der Chor 50 aktive Mitglieder. Der Vorsitzende Franz
Buschwald feierte seine 50 jährige Chorzugehörigkeit. Er stand dem Verein nun schon 22
Jahre vor und wurde zur Jahreshauptversammlung -76 jährig-  erneut zum Vorsitzenden
gewählt.

„ Es müssten tausend Buschwalds geben, in jedem Chor“ so wurde er durch den Vorsitzenden
des Kreissängerbundes, Friedrich Hambloch, als Idealist und Gestalter geehrt.

* * *

Mit einer fast originalgetreu nachgebauten „ Schwäbischen Eisenbahn“ führte der Verein den
Gymnicher Karnevalszug 1979 an.“ Es war ein tolles Bild und das Prunkstück des ganzen
Zuges
"
, so der Chronist, "als sich die Bahn - die Insassen waren die in historische Kostüme
gekleideten Sängerinnen und Sänger- durch die Menschenmengen am Straßenrand bewegte“
.

Obwohl die finanzielle Situation des Vereins leicht aufwärts tendierte „beglückte“ der Chor
seine zahlreichen und begeisterten Zuhörer zum  60. Geburtstag  „nur“ mit einem Vokal-
konzert, von dem der Chorleiter selbst sagte, dass es wohl das Schönste , aber auch
das Anspruchvollste in seiner Zeit als Leiter des Gymnicher Chores gewesen sei.

„ Hier wird unter künstlerischer Voraussetzung qualitätsvolles Liedgut einstudiert und
dargeboten“.
So, unisono, Presse und Sängerbund.

Mit einem berauschenden und originellen Scheunenfest im Spätsommer - für das sich
mittlerweile auch die Presse interessierte- ging ein sehr harmonisch verlaufenes- auch
musikalisch betrachtet- ein sehr zufrieden stellendes  „ Jubiläumsjahr 1979“ dem Ende
zu.
        

 

 (wird fortgesetzt)